Vorbildhaft hält das Land an seinen sozialistischen Grundsätzen fest (Reisebericht + Fotos)

Kuba Infos wünscht ein gutes neues Jahr 2016. Als Start ins neue Jahr haben wir einen interessanten Reisebericht einer Kuba-Kennerin der Vereinigung Schweiz-Cuba für euch.

Enramadas
neu renovierter Boulevard “Enramadas” in Santiago de Cuba (Dezember 2015)

Zum 15. Mal bereise ich Cuba, und wenn ich vergleiche, was war und was ist, gibt es Bereiche mit grossen Unterschieden, andere mit praktisch keinen. Nun ist natürlich meine Sichtweise beschränkt, es ist die einer Touristin, allerdings einer Touristin mit Zugang zu Diskussionen mit Cubaner_innen aus unterschiedlichsten sozialen Gruppen. Mein Bericht ist von unserer Reise durch das Land geprägt und bezieht sich nicht auf die Situation in Havanna, mit der man sich speziell befassen müsste.

Das Land leidet nach wie vor unter der Blockade, dies ist offensichtlich. So ist es enorm schwierig, im Lande selbst die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Regierung möchte die Landwirtschaft fördern und stellt Willigen zu besten Konditionen Land für den Anbau zur Verfügung. Wie aber soll das Land bebaut werden wenn keine Werkzeuge oder Traktoren zur Verfügung stehen? Ähnlich steht es wohl in vielen Bereichen, immer wieder scheitert vorhandenes „Know-how“ an materiellen Hürden. So kann ich es gut nachvollziehen, dass initiative, fantasievolle und unternehmungslustige Leute an eben diesen Gegebenheiten fast verzweifeln und – auch weil Cuba eine Insel ist, und man einmal etwas anderes sehen möchte – ihr Glück im Ausland versuchen wollen. Cubaner_innen können bekanntlich legal ausreisen, so sie denn das dazu nötige Geld haben und das Land, in welches sie reisen wollen, sie auch hereinlässt.

Das eben aktuelle „Stranden“ von über 3000 Cubaner_innen in Zentralamerika hat allerdings noch einen ganz anderen Grund: Da Cuba und die USA seit Dezember 2014 diplomatische Beziehungen aufgenommen haben, befürchten viele, dass der Cuban Adjustment Act („dry foot – wet foot“) bald aufgehoben werden könnte, welcher jedem/jeder Cubaner_in, der/die die USA erreicht, sofortige Staatsbürgerschaft und Privilegien gegenüber andern Lateinamerikaner_innen verspricht.

Vorbildhaft hält das Land an seinen sozialistischen Grundsätzen fest und dies ist natürlich nicht gratis: Der Staat garantiert den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung für alle, zahlt für seine Bürger_innen täglich 11 Millionen Brote und einen Liter Milch für alle Kinder unter 7 Jahren. Und wie soll das alles berappt werden? In einem Land, dem kaum Kredite gewährt werden? Cuba muss importierte Lebensmittel meist cash in Dollar bezahlen. Diese Gratwanderung kann nur mit Hilfe des Tourismus bewältigt werden. Cuba schafft es nur mit grosser Mühe, die Infrastruktur einigermassen auf dem heutzutage von den Touristen verlangten Niveau zu halten; das feuchtheisse Klima und die salzhaltige Meeresluft nagen permanent an Holz, Metall und Farbanstrichen.

Angesichts dieser Situation erleben wir immer wieder Erfreuliches: Überall im Lande stellen wir mehr Bautätigkeit fest als je, sei dies privater Ausbau der eigenen Casa (häufig mit Hilfe von Bekannten aus dem Ausland) oder staatlicher Häuserbau.

staatlicher Häuserbau
staatlicher Häuserbau in Santiago de Cuba (Dezember 2015)

Santiago de Cuba hat sich innerhalb eines Jahres zur Perle gemausert. Nachdem die Stadt 2012 vom Wirbelsturm Sandy sozusagen flach gefegt wurde, hat sie sich unter dem landesweit berühmten ersten Sekretär des Exekutivbüros Lázaro F. Expósito zum 500. Jahr ihrer Gründung prachtvoll herausgeputzt. Das Zentrum ist weitgehend neu renoviert und beim vorher unbedeutenden Hafen entstand ein riesiges Areal mit Hafenmole, Kinderspielplatz, Flaniermeile, einem Restaurant und einer Brasserie.

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Die neu gebaute Hafenmole (Malecon) in Santiago de Cuba (Dezember 2015) Naherholungsgebiet und Flaniermeile für Einheimische und Touristen

Also, wer immer nach Cuba reisen möchte: Auf nach Santiago de Cuba – gerne helfen wir mit Infos und Adressen!

Ebenso erfreulich ist es, zu sehen und zu hören, dass ein grosser Teil der Bevölkerung mit beachtlichem Arbeitseinsatz und viel Energie hinter den Errungenschaften der Revolution steht und für diese kämpft. Und mit dabei ist auch die Jugend, sei es Denize, die sich als Vorsitzende der UJC (Union Junger Kommunisten) in Baracoa einsetzt oder Jorgito mit seinem Blog (http://jorgitoxcuba.wordpress.com). Der Besuch bei Jorgito und seiner Familie in Camaguey gehört zu den Highlights unserer Reise. Wir kannten den behinderten Jungen ja erst aus dem Film „El Poder de los Débiles“ – nun hatten wir Gelegenheit, die ganze Familie kennen zu lernen und Jorgito zu Hause zu erleben, sein Zimmer zu sehen, wo er am Computer arbeitet.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sich jeder Einsatz für dieses Land und seine Bevölkerung lohnt – und nach den negativen Ergebnissen der Wahlen in Argentinien und in Venezuela mehr denn je.

Magdalena Hohl

PS:

Der Film “El Poder de los Debiles kann mit verschiedensprachigen Untertiteln bestellt werden:

Aus der Schweiz: http://www.cuba-si.ch/de/kontakt/

Aus Deutschland und Österreich per Mail:

oder online bei “Junge Welt: Junge Welt Shop

(Kubainfos)

“Cuba ist gewarnt”

Auf Einladung der Vereinigung Schweiz-Cuba weilten im September mit Aleida Godínez und Alicia Zamora zwei ehemalige Agentinnen der kubanischen Staatssicherheit in der Schweiz. Auf einer Tournee in sieben Städten standen sie einem interessierten Publikum Red und Antwort.

Unbenannt

Seit vor bald einem Jahr die Präsidenten Raul Castro und Barak Obama in parallelen Fernsehansprachen die Aufnahme von Verhandlungen über die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen bekanntgegeben haben herrscht eine gewisse Skepsis vor, was dies letztendlich für die weitere Entwicklung des sozialistischen Inselstaates bedeuten wird. Kommt es zu einer Dollarschwemme? Oder gar zu einem Ausverkauf? Halten Mc Donald und der US-Massentourismus Einzug?

Darauf gibt es noch keine schlüssige Antworten, Cuba steht erst ganz am Anfang einer neuen Phase, einem ersten Schritt in einem langwierigen Prozess zur Normalisierung der Beziehungen zweier Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen.

Einer weiteren Problematik widmete sich die Vereinigung Schweiz – Cuba (VSC): “Ist das nun das Ende der Unterwanderungsversuche und konterrevolutionären Aktiviäten der USA gegen Kuba, die seit 1959 mehr als 3000 Todesopfer gefordert haben?” Um dieser Frage vertieft nachzugehen weilten auf Einladung des VSC im September mit Aleida Godínez und Alicia Zamora zwei ehemalige Agentinnen der kubanischen Staatssicherheit in der Schweiz. Auf einer Tournee in sieben Städten standen sie einem interessierten Publikum Red und Antwort.

Die beiden Frauen waren lange Jahre tätig in verdeckter Mission, eingeschleust in subversiv tätige Gruppen innerhalb des Landes, die letzten fünf Jahre arbeiteten sie gemeinsam an einer heiklen Aufgabe. Im Jahr 2003 gaben sie – gleichzeitig mit zwanzig anderen Agenten – ihre wahre Identität bekannt und kehrten in das normale Berufsleben zurück.  Wer nun pikante Details aus dem Leben einer Agentin erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Die konkrete Tätigkeit sei eher “eine delikate Angelegenheit”, versicherte Aleida, sehr unspektakulär, langwierig, und hat nichts mit Aktionen à la James Bond zu tun. Die Hauptaufgabe bestehe darin, Insider-Informationen zu sammeln aufgrund derer verhindert werden kann, dass es zu Sabotageaktionen oder Terroranschlägen kommt.

Diese Vorsicht hat gute Gründe. In einem historischen Rückblick erinnerte Aleida daran, dass vom ersten Tag nach dem Sieg der Revolution im Jahre 1959 vom Territorium der USA aus mit subversiven Aktionen jeglicher Art versucht worden ist, die Entwicklung zu einem selbstköpfigen, unabhängigen und sozialistischen Staatswesen zu unteminieren oder ganz auszuhebeln. Unter allen möglichen Deckmäntelchen, eben auch durch das Anwerben von mit US-Dollar bezahlten “Dissidenten” wurde seitens der USA die Beseitigung des “Castro-Regimes” zur Staatsdoktrin.

Es wäre eine gefährliche Illusion zu glauben, dass dies nun im Zuge der “Normalisierung” plötzlich aufhören würde. Aleida bezeichnete die Rede von Obama am 17. Dezember vergangenen Jahres daher als “historisch und hysterisch” zugleich. Obama habe Kuba nichts geschenkt. Er musste sich den neuen Realitäten beugen. Kuba liess sich mit all den rabiaten Methoden und über all die Jahre hinweg nicht in die Knie zwingen. Kuba lässt sich auch nicht mehr isolieren, es ist vielmehr zu einem anerkannten Glied in der Staatenwelt geworden, insbesondere in Lateinamerika.

Kuba hat keinen Kurswechsel vollzogen, hingegen hat sich die Regierung Obama.zu einem Kurswechsel veranlasst gesehen – wohlverstanden ohne so etwas wie “freie Wahlen” nach ihrem Gusto oder eine “Transition” hin zur kapitalistischen Marktwirtschaft erwirkt zu haben. Im Gegenteil, die USA mussten zuerst die fünf politischen Gefangenen freilassen und Kuba von der unsäglichen Liste der sogenannten “Schurkenstaaten” streichen. Auf die Tagesordnung gesetzt werden muss jetzt die Rückgabe der Marinebasis auf Guantanamo sowie die reale Aufhebung der Blockadepolitik. Diese Forderung wird erneut, und mit noch mehr Nachdruck auf  der Traktandenliste der nächsten UNO-Vollversammlung stehen.

Allerdings, und hier empfahl Aleida sehr genau hinzuschauen, sollte man das Ansinnen der US-Regierung ernst nehmen: Obama sagte in seiner Rede vom 17. Dezember sehr deutlich, dass die USA zwar “die Methoden ändern wird, nicht aber die Zielsetzung”. Das heisst, die vorherrschenden Kräfte in den USA zielen – wie sie das im Irak, in Lybien und gegenwärtig in Syrien vormachen – weiterhin auf einen Systemwechsel in Kuba ab,

Für diese Kreise ist die Finanzierung und der Aufbau einer “inneren Oppositionskraft” unabdingbar, da eine reine Intervention von Aussen (à la Schweinebucht, oder à la Irak) zur Zeit von niemandem goutiert würde – und Kuba sich zu verteidigen wüsste. Daher kann es niemanden erstaunen, wenn sich Kuba auch nach Innen absichert. Dies umso mehr wenn man bedenkt, dass bereits seit diesem Sommer sowohl seitens dem “National Endowment for Democracy (NED, vom US-Aussenministerium finanziert), als auch der vorgeblichen US-Entwicklungshilfebehörde USAID Stelleninserate aufgeschaltet wurden, mit denen mehrere “Geschäftsführer” für ihre “Kuba-Demokratisierungs-Programme” gesucht werden. Monatsgehalt zwischen 7’500.- bis 11’600.- Dollar.

Genauere Daten dazu liefert die Tageszeitung “Junge Welt” unter Berufung auf Quellen in den USA. Demnach müssten die Bewerber Erfahrung mitbringen in “Demokratieförderung, Entwicklung von Zivilgesellschaften und Programme für Jugendliche”. Bevor sie jedoch ihren lukrativen Job antreten können, müssten sie sich einem “neunmonatigen geheimen Sicherheitscheck” unterziehen. Denn eine allfällige Weitergabe von Informationen über ihre Tätigkeit könnte dem nationalen Sicherheitsinteresse der USA “schweren Schaden” zufügen.

Während vordergründig über eine Normalisierung der Verhältnisse debattiert wird, werden im Hintergrund weiterhin die Messer gewetzt. Kuba ist also gewarnt, und wird sich zu wappnen wissen.

René Lechleiter

www.cuba-si.ch

Kuba: Brigade José Martí 2015 – Ein Reisebericht

Mit diesem Reisebericht von drei Schweizer Genossinnen verabschiedet sich das Kollektiv um Kubainfos für einige Wochen nach Kuba. :-)  Viel Spass beim lesen und ihr werdet ab Oktober wieder von uns hören. Unter anderem werden wir einen Artikel über Stadtentwicklung in Santiago de Cuba schreiben. Ein sehr spannendes Thema.

Bis bald!

Das Kubainfos Kollektiv

Die internationalen Arbeitsbrigaden haben in Kuba eine lange Tradition. Im Vordergrund steht die Solidarität mit dem kubanischen Volk. Schon seit Jahren interessierten wir uns für eine solche Reise. Wir wollten Kuba aus einer anderen Perspektive kennenlernen, fernab von den touristischen Klubferien in Varadero. Wir wollten die sozialpolitischen Errungenschaften Kubas kennenlernen. Die Geschichte der Revolution und die persönliche Wahrnehmung der Kubanerinnen und Kubaner selber hören.
Dieses Jahr war es dann endlich so weit. Wir flogen nach Havanna, wo wir am Flughafen spät in der Nacht von einem für die deutschsprachigen Brigadistas zuständigen Kubaner in Empfang genommen wurden. Nach einer kurzen Nacht erwachten wir in den frühen Morgenstunden im Campamento. Beim umherlaufen lernten wir Brigadistas aus ganz Europa und die im Campamento arbeitenden Kubanerinnen und Kubaner kennen.
Während fünf Halbtagen leisteten wir 157 Brigadistas aus 17 europäischen Ländern praktische solidarische Arbeit in der Landwirtschaft. Wir hätten nicht gedacht, dass es eine derart einfache Landwirtschaft ohne industrielle Maschinen überhaupt noch geben kann. Wir pflückten von Hand Guaven und legten sie auf einen von Ochsen gezogenen Holzkarren. Wir jäteten von Hand in Kürbisfeldern, düngten Bohnenpflanzen mit Kübeln. Dabei hatten wir die Ehre, kubanische Bäuerinnen und Bauern kennenzulernen. Sie erzählten von ihrem Leben, von Arbeit, Familie und Liebschaften. Diese Begegnungen werden für immer in unserer Erinnerung bleiben.
In zahlreichen Vorträgen wurden die kubanische Sozial- und Wirtschaftpolitik thematisiert und selbstkritisch hinterfragt. So versucht man seit 2010 durch Privatisierungen den wirtschaftliche Wachstum zu steigern. Dabei begegnet Kuba vielen Schwierigkeiten, auf die wiederum neue Lösungen gesucht werden müssen. An den sozialen Errungenschaften im Bereich der Bildung und der medizinischen Versorgung möchte Kuba aber selbstbewusst und kämpferisch festhalten. Die von den europäischen Teilnehmerinnen diesbezüglich geäusserten Sorgen wurden vehement und fast ein wenig brüskiert abgewunken. Der Sozialismus soll verbessert und nicht abgeschafft werden. Doch Änderungen in der Wirtschaftspolitik seien unumgänglich. Die Staatskassen sind leer. Dies äussert sich nicht nur in für Touristen sichtbare Probleme wie dem Zerfall der historischen Gebäude in der Altstadt Havannas. Die kubanische Bevölkerung leidet unter dem massiven materiellen Mangel. Die nationale Produktion ist viel zu niedrig, um die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu befriedigen, somit ist der Staat gezwungen, Güter zu importieren. Paradoxerweise stammt der überwiegende Teil der Importe aus den USA, trotz (immer noch bestehendem!) Handelsembargo. Das am längsten in der Geschichte andauernde Handelsembargo wurde zwar im Janaur 2015 gelockert. Diese Massnahmen genügen jedoch nicht, um den massiven ökonomischen Rückstand der kubanischen Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Staaten aufzuholen. So fehlen beispielsweise Dialysegeräte, gewisse Medikamente wie Krebsmedikamente gegen Leukämie etc.

Einer der nächsten Schritte Kubas wird die Abschaffung der doppelten Währung sein. Zurzeit besteht die Landeswährung der kubanischen Pesos (CUP) und die von den Touristen verwendeten konvertiblen kubanischen Pesos (CUC). Wie man diese Umstellung konkret erreichen will ist jedoch noch unklar.
Ein grosses und abwechslungsreiches kulturelles Programm rundete das Programm ab. Jeden Abend fanden im Campamento Musikdarbietungen (Tanz und Livemusik) statt. Anschliessend wurde bis spät in die Nacht leidenschaftlich getanzt. Nicht selten kamen Anwohnerinnen und Anwohner des nahegelegenen Dorfes vorbei und feierten mit. Während über zwei Wochen begleiteten uns moderne, von den jungen Kubanerinnen und Kubanern innig geliebten Salsa- und Reggaetonrythmen in den Schlaf. Wir wurden von Gemeinden und in Kulturzentren zu Tanz- und Theratervorführungen eingeladen.
An den Nachmittagen bestand die Möglichkeit, auf dem zum Campamento gehörenden Feld Sport zu treiben. Sport hat in Kuba einen sehr hohen Stellenwert. Die jungen Kubanerinnen und Kubaner stellen beim Kennenlernen relativ schnell die Frage, welche Sportart man bevorzuge. Ein Höhepunkt war sicher der Besuch kubanischer Sportgrössen im Campamento. In einer langen und feierlichen Zeremonie übergaben ehemalige Olympiasieger den Siegern des Freundschaft-Wettlaufens, den die Brigadistas sich an diesem Tag vom nahegelegenen Dorf bis zum Campamento geliefert hatten, Blumen und Urkunden.

Natürlich gehörten Besuche von Monumenten und historischen Stätten ebenfalls zum Programm. Wir besuchten Santa Clara, die Stadt des Ché. Dort befindet sich das Mausoleum des Ché, sowie der Ort, wo die Revolutionäre den Zug der Regierungstruppen zum entgleisen brachten.
Wir waren erstaunt, wie demokratisch der Entscheidungsfindungsprozess auf politischer Eben eigentlich ist. Auf Gemeindebene kann sich jede und jeder, schwarz, mulattin oder weisse, unabhängig davon, ob man Mitglied der kommunistischen Partei ist oder nicht, zur Wahl aufstellen lassen. Teure und parteipolitische Kampagnen gibt es nicht. Für uns ein ungewohntes Bild: in den Parlamentssessel sassen auffällig viele Frauen und dunkelhäutigen Personen.

Vier Tage habe wir in Playa Giron, am karibischen Meer, verbracht. Dort gab es einen Swimmingpool und grosszügige Hotelbuffets. Unvergesslich in der Erinnerung bleibt das Baden im türkisblauen karibischen Meer. Sowie die tausenden am Boden herumlaufenden Krabben aller Grössen. Bekannt ist der Ort primär für den historischen Kampf in der Schweinebucht. Im Museum konnte man sich Panzer, Flugzeuge und einen Dokumentarfilm zu den Ereignissen anschauen. Ein wenig touristischer ist der Besuch der Krokodilfarm und die Nachbildung eines Dorfes von amerikanischen Ureinwohnern ausgefallen.

Am Ende der Brigade verfassten die Brigadistas eine Resolution. Darin ist eine Reihe von Forderungen an die jeweiligen Regierungen enthalten. Dazu gehören: Verleihung des Nobelpreises an die kubanischen Ärztinnen und Ärzte und Pflegerinnen und Pfleger für ihren Einsatz gegen Ebola in Afrika. Aufhebung der Wirtschaftsblockade gegen Kuba. Schliessung des US-Gefängnisses auf Guantanamo und Rückgabe des Bodens an Kuba.
Kuba ist ein Land voller Widersprüche und ein Land, das an grosser materieller Armut leidet. Doch ist der Einfallsreichtum und der Erfindergeist, mit welchen die Kubanerinnen und Kubanern die alltäglichen Schwierigkeiten meistern einzigartig. Die solidarische Grundhaltung, die grosse soziale Kompetenz, der revolutionäre Stolz und das immense Wissen der Kubanerinnen und Kubaner über das Geschehen in Europa und in der Welt haben uns stark beeindruckt. Umso gerührter waren wir über die Anerkennung der internationalen Solidarität für die Kampagnen zur Befreiung der 5 (Cincos).
Wir möchten auf jeden Fall bald zurückkehren und können jeder und jedem eine derartige Reise nur empfehlen.
VivaCuba!
Viva la Revolution!
Bea, Mina und Simu

Falls ihr nun auch Lust bekommen habt an einer Soli Brigade teilzunehmen, dann meldet euch.

Aus der Schweiz: www.cuba-si.ch

Aus Deutschland: www.fgbrdkuba.de

Aus Österreich: Netzwerk Kuba Österreich

(kubainfos)

Skandalös tendenziöses Schweizer Fernsehen

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Heute veröffentlichen wir einen Beitrag von der Vereinigung Schweiz-Cuba über die Berichterstattung des öffentlichen rechtlichen Schweizer Fernsehen:

“US-Cops haben dieses Jahr bereits 710 Bürger getötet”
(20Minuten am 15. August 2015)
“Bush kann sich Folter wieder vorstellen”
(TagesAnzeiger/BernerZeitung/Basler Zeitung 14. August 2015)
Nirgends in der Welt sitzen mehr Leute im Gefängnis wie in den USA
(siehe statista.com).

John Kerry, der Aussenminister eben dieser “Demokratie” USA kommt zur Botschaftseröffnung erstmals nach Kuba und fordert “echte Demokratie in Kuba”. Eine solche Wortwahl und Stimmungsmache weicht in keiner Weise von der seit Jahr und Tag gepflegten medialen Subversion des Imperiums gegenüber der Antilleninsel ab und passt in keiner Weise zu einer ehrlichen Annäherung.

Dass auch die redaktionelle Linie der führenden Privatmedien in der Schweiz in völligem Einklang mit dem NED (National Endowment for Democracy) , einer CIA-Tarnorganisation (“Eine Menge von dem, was wir heute tun, wurde vor 25 Jahren von der CIA verdeckt getan.” Washington Post, 21.09.1991) verläuft, spricht für sich, aber sicher nicht für eine Unabhängigkeit dieser Medien…

Wie nun aber auch das öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehen in seiner “10 vor 10″-Ausgabe vom Freitag, 14. August 2015 völlig unkritisch und  hörig das US-amerikanische Verständnis von “Menschenrechten, Demokratie und Meinungsäusserungsfreiheit” vermittelt, ist ein Skandal und wird den eigenen, in den “Publizistischen Leitlinien” formulierten Ansprüchen in keiner Weise gerecht: “Sachgerecht ist die Berichterstattung, wenn sie alle verfügbaren Fakten in Betracht zieht und nur darstellt, was nach bestem Wissen und Gewissen für wahr gehalten wird. Sachgerechtigkeit setzt bei den Journalistinnen und Journalisten Sachkenntnis und Kompetenz voraus.”

In vorgebenem Jargon vermittelt der in den USA stationierte “SRF-Sonderkorrespondent”
– offensichtlich bar jeglicher Landeskenntnisse – gängige Clichés:”Wohin das Ganze gehen wird, wenn sich ein kommunistisches Regime ein bisschen öffnet” wisse man natürlich nicht…

Im umfangreichen Beitrag in “10 vor 10″ werden nur die immergleichen, vom und im Ausland aufgebauten “Dissidentinnen” porträtiert und interviewt. Obwohl immer wieder die Formulierung “viele Kubaner” verwendet wird, kommt kein einziger von ihnen zu Wort.

Abschliessend soll die Behauptung, das kubanische Volk sei “unterdrückt und nicht frei” noch wissenschaftlich untermauert werden, indem eine Assistentin der Uni Bern unüberprüfte Daten von angeblichen Verhaftungen und politischen Gefangenen von sich gibt. Es sind solche Daten, wie sie jeweils exakt von  “Dissidenten” wie den Damas en blanco geliefert werden. Daten und Taten, für die diese Damen erwiesenermassen aus dem Ausland bezahlt werden. Im Bericht unerwähnt bleibt, dass sich diese “Damas” genau wegen solcher Entlöhnung auch noch verkracht haben. Zankende Damen in Weiss und Polemik um die Protestgrupe Damen in Weiss

Die Kompetenz der Uni-Assistentin stützt sich notabene auf Forschungsschwerpunkte wie “US-Latin American Relations”…

Wie sagt doch der englische Historiker Tariq Alí: „Für die überwältigende Zahl der Journalisten im Westen, ganz zu schweigen von der Minderheit, die direkt mit den Geheimdiensten verbunden ist, gibt es nur ein massgebliches Kriterium für die Beurteilung eines Regimes, und das ist nicht etwa seine Menschenrechtsbilanz, sondern die Tatsache, ob es ein Freund oder ein Gegner des „Washington Consensus“ ist.

Und so übernimmt SRF auch im Falle von Kuba willfährig ein Feindbild, wie es von den USA vorgezeichnet wird.

Vereinigung Schweiz-Cuba/swa

www.cuba-si.ch

Unsere Monopolmedien – unwissend oder bewusst irreführend?

Mitglieder der
Mitglieder der “Damas de Blanco” beim Verlassen der amerikanischen Interessenvertretung in Havanna. Foto: Screenshot youtube, www.cubadebate.cu

In regelmäßigen Abständen, erscheinen in Zeitungen politisch gefärbte Artikel über Kuba. Zum Beispiel in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung). Vielleicht werden wir hier mal einen Beitrag veröffentlichen, wo wir einige dieser NZZ- Artikel über Dissidenten in Kuba oder angeblichen Menschenrechtsverletzungen Kubas etc. “auseinandernehmen”. Vielleicht ist es jedoch nicht mal mehr notwendig antikubanische Hetzartikel zu berichtigen. Es haben nämlich schon andere vor uns über diese Artikel geschrieben und dabei gute Arbeit geleistet. Im Falle der NZZ, sind die Hetzartikel vielfach von einem in Costa Rica residierend Journalisten/Frühpensionär Peter Gaupp geschrieben, der offensichtlich nicht viel über Kuba weiss. Bestes Beispiel für Herr Gaupps schlecht recherchierte Artikel sind nämlich seine “zuverlässigen” Informationsquellen in Kuba. Wir zitieren hier kurz einem Leserbrief, der sich auf Peter Gaupps’s Artikel vom 18. Mai 2012, “Kein Platz für Opposition in Kuba” bezieht:

Peter Gaupps Artikel „Kein Platz für Opposition in Kuba“ vom 18.5.2012 (http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/kein-platz-fuer-opposition-in-kuba-1.16936146)  hat sich einen Gegenstandpunkt redlich verdient. Von Elizardo Sánchez als der „zuverlässigsten Quelle“ zu reden, dazu gehört entweder Chuzpe oder völlige Ahnungslosigkeit. Es ist erst ein ¾ Jahr her, dass man sich bei der Erwähnung seines Namens vor Vergnügen auf die Schenkel klopfte. Sánchez hatte vor der Agentur ANSA zugegeben, die Liste vorgeblicher politischer Gefangener in Kuba mit falschen Namen aufgeforstet zu haben – u.a. mit einem bolivianischen Fußballer, vier peruanischen Volleyball-Spielerinnen sowie einem spanischen Maler aus dem 18. Jahrhundert (Cubadebate vom 8. September 2011, mit Fotos). Dass diese Meldung nicht so wirklich der Renner in den bürgerlichen Medien war, ist nachzuvollziehen. Dass Elizardo Sánchez nach seinem journalistischen Harakiri nunmehr künstlich wiederbelebt wird, ist es nicht. Im Grunde könnte der Leserbrief hier zuende sein, denn ein Informant, der sich der Lächerlichkeit preisgegeben hat, killt letztendlich den gesamten Artikel!

(vollständiger Leserbrief [pdf Dokument – auf öffnen klicken!])

Nun möchten wir jedoch einen Schweizer zu Wort kommen lassen, der im Gegensatz zu Herr Gaupp, schon seit Jahren in Kuba lebt:

Felix Auer antwortet einer Freundin auf einen NZZ-Artikel, den sie ihm zugeschickt hatte:

Liebe Claudine,

danke für den NZZ-Artikel! Es ist belustigend, wie sich sonst seriös recherchierende Zeitungen in Sachen Kuba einfach dem US/EU-Mainstream überlassen. Die Vereinigung Schweiz-Cuba reagiert jeweils mit Leserbriefen, die (immer gekürzt und oft verdreht abgedruckt werden). Meinerseits tue ich das nicht! Ich lebe hier in Kuba und weiss mehr als NZZ oder Tagesanzeiger (von BaZ ganz zu schweigen), die keine Korrespondenten in Kuba haben. Ihre Schreiberlinge berichten aus Mexiko, Brasilien, Costa Rica oder Chile. – Ihre aus dem Internet zusammengeschusterten Geschichtlein sind rührend! Einfach kurz zu den Facts:

In Kuba zirkulieren die Informationen nicht wie in Europa oder Amerika, das stimmt, und kein Kubaner wird dem widersprechen. Die so genannten „Dissidenten-Gruppen” gibt es, es sind vielleicht 300, 400 oder 600 Leute. (Kuba hat 11.5 Mio. Einwohner). Kein Kubaner, keine Kubanerin, die ich je getroffen habe (auch solche, die wie Rohrspatzen auf die Regierung schimpfen), hatte je ein gutes Wort für diese Leute übrig, keiner! Dissident sein ist ein business, aber ein „bad business”: alle beziehen ihren Lohn bei der US-Interessenvertretung in La Habana (WIKI-Leaks hat die Gehaltslisten der US-Vertretung veröffentlicht … all jene „damas en blanca” und andere „Menschenrechts-Schreier“). Dafür werden sie hier selbstverständlich bestraft. Kein Rechtsstaat auf der Welt erlaubt seinen Bürgern Nachrichtendienste zu Gunsten anderer Staaten, und am wenigsten zu Gunsten von Staaten, die mit ihnen im Krieg stehen. Die Regierung der USA steht mit Kuba seit über 50 Jahren im Krieg! Die USA mit Kuba! Nicht umgekehrt!

Vergleiche sind immer holprig – ich weiss – doch diese 53 „dissidenten” Kubaner sind nun wirklich weniger eine Meldung wert als die Tausenden und Abertausenden von Schwarzen, die in US-Gefängnissen einsitzen, einfach weil sie schwarz sind, oder jene 146 Afghanen, Pakistani etc., die seit Jahren ohne Gerichtsurteil in den Kerkern von US-Guantanamo schmoren. —- Kuba ist nicht heilig, bei weitem nicht, doch vom Teufel geritten werden wirklich andere! Nicht Kuba.

Herzlichst! Felix

(April 2015)

Damit beenden wir diesen Blogeintrag im Wissen, dass wir das Thema nur angeschnitten haben und es noch sehr viel zu berichten gäbe. Natürlich könnt ihr uns jederzeit auch Leserbriefe, eigene Artikel oder Interviews zusenden. (kubainfos@gmx.ch) Dieser Blog soll nicht nur über Kuba berichten, er soll auch eine Plattform für Personen sein, die sich zu Kuba äußern möchten.

Zum Schluss noch einen Artikel, den wir all denen empfehlen können, die sich über die Machenschaften der kubanischen Dissidenten informieren wollen:

“Das Medienspektakel mit den kubanischen „Dissidenten“. Ein Blick hinter die Kulissen eines schmutzigen politischen Geschäfts”

(kubainfos)