Wie Demokratie in Kuba funktioniert

Viel zu oft wird in Europa behauptet, dass es in Kuba keine Demokratie gebe. Wenn im kubanischen Parlament Beschlüsse einstimmig angenommen werden, behaupten hier Politiker von der Sozialdemokratie bis Rechts, dass dies niemals demokratisch sein könne. Dabei müssten sie sich nur ein wenig mit der kubanischen Demokratie befassen. Schnell würden sie sehen, dass die politische Debatte viel früher beginnt. Sie beginnt bei der Bevölkerung. An den Schulen, Arbeitsstellen und in den Stadtvierteln. Ein gutes Beispiel dafür ist dieser Erlebnisbericht des Studenten Jorge “Jorgito” Jerez aus Camagüey.

Unbenannt
Quartierversammlung und Debatte in Kuba – Immer bei der Basis

Letzte Woche hat sich der 1. Sekretär der PCC Kuba in Camagüey mit Studenten der Journalistik an der Universität von Camagüey ausgetauscht. In welchem Land der Welt geschieht so etwas? Die höchste Autorität einer Provinz tauscht sich von Angesicht zu Angesicht, mit einer Gruppe von Studenten an einer Universität aus? Hier zeigen sich die Qualitäten der kubanischen Demokratie.

Wir haben über verschiedene Themen gesprochen. Zum Beispiel über die Situation der Provinz, den VII Kongress der PCC und innere Angelegenheiten der Universität. Ebenfalls über sehr aktuelle Themen, wie der Besuch von Obama und die Wichtigkeit der Ideologie.

Der erste Sekretär hat mit seiner charakteristischen Natürlichkeit die ökonomische Situation der Provinz vermittelt. Zusammen mit den Studenten, Professoren und weiteren Mitgliedern der Provinzregierung, wurde die Politik der “Landwirtschaftspreise” (siehe dazu folgenden Artikel) und die Nahrungsmittelpreise breit debattiert.

Dies zeigt wie sehr in Kuba nicht an politischen Parteien für eine “echte” Demokratie fehlt. Mit einer solchen Regierung, die mit den Jugendlichen debattiert, ist die Zukunft Kubas garantiert.

(Kubainfos)

 

 

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FBI motiviert amerikanische Kuba-Touristen zur Kopfgeldjagd auf politische Aktivisten in Kuba

Das FBI hat sich tatsächlich mit folgendem Aufruf an Kuba-Touristen gewendet: “Falls Sie einer dieser Gesuchten sehen, bitte kontaktieren Sie sofort die US-Botschaft und melden Sie den Standort.” Dazu einen Steckbrief mit aktuellen Fotos der vier Gesuchten, politischen Aktivistinnen:

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Aufruf des FBI an Touristen die nach Kuba reisen. (Die aktuellen Bilder der Gesuchten, haben wir zur Sicherheit geschwärzt.)

 

Unter den Gesuchten ist auch Assata Shakur (Joanne Chesimard), die Tante des verstorbenen US-Rappers Tupac. Sie wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, weil Sie 1973 angeblich einen Polizisten in New Jersey bei einer Polizeikontrolle erschossen haben soll. Fakt ist, dass Assata Shakur bei der betreffenden Polizeikontrolle Schussverletzungen davon getragen hat, die nur mit erhobenen Händen möglich sind. (Schussverletzungen unter den Armen) Auch wurde bei der Tatwaffe weder Fingerabdrücke gefunden, noch hatten ihre Finger Spuren von Schiesspulver. Dies obwohl Sie keine Handschuhe trug. Trotzdem wurde die politische Aktivistin zu lebenslanger Haft verurteilt. Als Afroamerikanerin und politische Aktivistin, war Sie vor dem US-Gericht automatisch schuldig. Nach ihrem erfolgreichen Gefängnisausbruch, konnte Sie unerkannt nach Kuba flüchten, wo Sie 1979 politisches Asyl erhielt. Sie hält dort Vorlesungen und informiert über Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Seit ihrem Ausbruch jagt das FBI Sie mit verbissener Härte und setzte schon früh ein Kopfgeld von 1 Million USD aus. Dieses wurde mittlerweile auf 2 Millionen USD erhöht. Bei einer Pressekonferenz beteuerte das FBI, dass man so den Anreiz für Kopfgeldjäger steigern möchte.

Durch den Normalisierungsprozess zwischen den USA und Kuba, kam der Fall Assata Shakur wieder vermehrt zur Sprache. Verschiedene republikanische Politiker forderten Obama auf, dass er die kubanische Regierung drängen soll, Assata Shakur und Andere vom FBI gesuchte politische Flüchtlinge auszuliefern.

Kenia Serrano, Verantwortliche des ICAP (kubanisches Institut für Völkerfreundschaft) teilte dazu in einem Interview mit: “Wir wissen aus den Medien, dass die USA, der Bürgermeister von New Jersey über Sie gesprochen hat und natürlich sprechen wir mit den USA über den Fall. Wir beschützen Personen wie Assata Shakur. Es ist unser Recht zu entschieden, wem wir politisches Asyl in Kuba geben und niemand, weder die US-Regierung, noch eine andere Regierung auf der Welt, sollte dieses Recht in Frage stellen.” Das vollständige Interview könnt ihr hier nachlesen: http://www.blackagendareport.com/cuba-will-protect-assata-shakur

Kuba ist von Prinzipien geleitet und wird seinen Idealen treu bleiben. Der Fall zeigt jedoch ein weiteres Mal auf, wie unterschiedlich die beiden Länder sind.

PS: In den USA leben geständige Terroristen wie zum Beispiel Luis Posada Carriles in Freiheit. (Verantwortlicher verschiedener Anschläge mit über 80 Toten Zivilisten) Insgesamt starben, durch aus US-Territorium geplanten Anschlägen, über 3’500 KubanerInnen.

(Kubainfos)

Historischer Besuch von Obama in Kuba (Videos)

Historischer Tag für Kuba: Erstmal nach 57 Jahren anerkennt die amerikanische Regierung die revolutionäre Regierung Kubas mit einem offiziellen Besuch. Dies sogar noch mit der historischen Generation der Revolution im Amt, die damals für die USA nur eine Bande von Guerilleros waren. Die USA ändert zwar nur die Methodik und nicht das Ziel, aber trotzdem ist es ist ein grosser Sieg der Revolution, dass die USA die Regierung Kubas offiziell anerkennt.

Hier werden wir laufend alle Videos des Besuches von Obama veröffentlichen:

Rede von Obama an das kubanische Volk

Pressekonferenz 21.03.206, Rede von Raul Castro und Barack Obama:

 Ankunft von Obama am Flughafen José Martí in Havanna:

Spaziergang durch “Alt-Havannna”:

Obama beim “Platz der Revolution”:

Obama mit Raul Castro im Revolutionspalast

(Kubainfos)

Wichtige Erklärung des kubanischen Aussenminister Bruno Rodríguez Parrilla (+Video)

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kubanischer Aussenminister Bruno Rodríguez Parrilla

Der kubanische Aussenminister Bruno Rodríguez Parrilla erscheint heute um 20 Uhr im Hotel Habana Libre vor der kubanischen und internationalen Presse. Diese Pressekonferenz wurde von Cubavisión, Cubavisión Internacional, Radio Rebelde und Radio Habana Cuba live übertragen:

Original Information: CubaMinrex

Update, 21:00 Uhr (MEZ) Das wichtigste der Pressekonferenz in Kürze:

Laut Bruno Rodriguez, gibt es große Unterschiede zwischen der USA und Kuba in Bezug auf das politisch System, der Demokratie, der Menschenrechte, der Anwendung des internationalen Rechts und in Bezug auf die Erhaltung des Friedens und der Souveränität.

-Kuba streicht die 10% Besteuerung auf USD

-Kuba bekräftig erneut, dass die USA das illegal besetzte Gebiet (Guantanamo Bay) an Kuba zurückgeben soll

Kuba muss weder seine politischen Prinzipien aufgeben, noch seine Außenpolitik ändern. Von Seiten Kubas gibt es keine Aggressionen gegen die USA.

-Kuba verlangt die Beendigung der Finanz-& Wirtschaftsblockade

-Kuba ist das einzige Land auf der Welt, in das US-Amerikaner nicht ohne Auflagen reisen dürfen.

-Warum gibt es das absurde Gesetz, dass Amerikaner keine kubanischen Produkte kaufen dürfen? So bleiben Ihnen zum Beispiel nebst anderen Produkten auch Medizin wie Diabetesmedikamente oder die Impfung gegen Lungenkrebs verwehrt.

-Kuba bekräftigt seine Solidarität mit Venezuela und ruft die USA dazu auf, Venezuela von der Liste der “Bedrohungen für die nationale Sicherheit der USA” zu streichen.

(kubainfos)

Tribüne Antiimperialista: 400’000 Kubaner am Major Lazer Konzert (+Bilder)

In Havanna füllte sich die Tribüne “Antiimperialista” am letzten Sonntag mit rund 400’000 Jugendlichen. Das Gratiskonzert für die kubanische Jugend mit den elektronischen DJ’s  Major Lazer und DJ Diplo, begeisterte die jungen Kubaner und ärgert die kubanische Opposition in Miami.

Unbenannt
Major Lazer und DJ Diplo “Tribuna Antiimperialista”

Zum Ärger der kubanischen Dissidenten in Miami und der bürgerlichen Presse, reisten Major Lazer und DJ Diplo für ein Konzert nach Havanna. Die Dissidenten und die Presse möchten Kuba gerne als triste Diktatur darstellen, in der die Jugend weder Internet, noch sonstige Freiheiten geniesst. Da passt ein Gratiskonzert mit Hunderttausenden, feiernden kubanischen Jugendlichen,  so kurz des Besuchs von Obama am 22. März, natürlich schlecht ins Bild, das man von Kuba gerne zeichnen möchte. Dazu noch bei der legendären “Tribuna Antiimperialista”, wo mit grossen Buchstaben in Richtung US-Botschaft geschrieben steht: “Venceremos” (Wir werden siegen)

Der sonntägliche Protestmarsch gegen die kubanische Regierung, auf der man in der rechten Presse in den USA das Augenmerk richtete,  war hingegen ein kompletter Reinfall. Es nahmen nur die ca. 35 altbekannte Dissidenten teil.

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Jeden Sonntag protestieren die selben 30-40 kubanischen Dissidenten in Havanna. Bezahlt und unterstützt aus den USA. (Foto Facebook, 06.03.2016)

Währenddessen feierten die  Jugendlichen begeistert zur elektronischen Tanzmusik von Major Lazer und beeindruckten mit ihrer Lebensfreude die beiden amerikanischen Musiker. So kam es, dass Kuba bei US-Amerikanern einmal mehr einen positiven Eindruck hinterlassen konnte.

Viele Revolutionäre ausserhalb von Kuba bereitet es Sorgen, dass immer mehr Amerikaner die sozialistische Insel besuchen und womöglich negativ beeinflussen könnten. Keine Angst, Kuba beeinflusst die amerikanischen Kubareisenden mehr, als die Besucher aus dem Norden die Kubaner. Die gängige amerikanische Propaganda gegen Kuba beginnt immer mehr zu bröckeln.

Doppelt verärgert ist man in der Dissidentenpresse über DJ Diplos Aussage:

“Glücklicherweise konnte ich Kuba schon vor ein paar Jahren mit meinen Freunden von “Calle 13” (antiimperialistische, revolutionäre Band aus Puerto Rico) während eines 4-tägigen Aufenthalts kennenlernen. Ich war wie weggeblasen von den Menschen, der Tiefe der Kultur und der kubanischen Art zu leben.

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PS: Am 25. März 2016 werden die Rolling Stones in Havanna ein Konzert geben.

(Kubainfos)

Kubas Kampf gegen Drogen

Die kubanische  Organisation „Mirando al Mar“ (Schauen auf das Meer) hatte letzten Freitag ihr Jahrestreffen. Diese kubanische Organisation hat sich den Kampf gegen Drogen und illegale Waffen auf die Fahne geschrieben. Sie ist in Europa relativ unbekannt. Auch deshalb haben wir uns dazu entschieden diese Vereinigung von Freiwilligen kurz vorzustellen.

 

„Mirando al Mar“ hat über 7000 Mitglieder, von denen 24% Jugendliche und 35% Frauen sind. Die Vereinigung wurde 1959 unmittelbar nach dem Sieg der Revolution gegründet und wird durch das CDR (Komitee zur Verteidigung der Revolution) geleitet und organisiert. Sie unterstützen die “Tropas Guardafronteras” (Grenzwachtruppe) und werden auch von diesen geschult.

Die Ziele von “Mirando al Mar” sind zu verhindern, dass über das Meer Drogen oder Waffen ins Land geschleust werden. Ausserdem helfen Sie dabei, illegale Machenschaften an den Küsten aufzudecken. Zum Beispiel sind früher vom CIA unterstützte Terroristen illegal über das Meer nach Kuba eingereist, um dort Attentate zu begehen. Auch melden Sie allfällige Verschmutzungen z.B. durch angeschwemmtes Öl.

In der Jahresversammlung letzten Freitag wurde bilanziert, dass durch die Organisation ca. 80% des Drogenhandels, der in Kuba ablaufen sollte, bereits an der Küstenzone unterbrochen werden konnte. Rund 70% der in Kuba beschlagnahmten Drogen wurde durch diese Organisation eingesammelt. Meist wurden die Drogen in Päckchen angeschwemmt. Das zeigt die Bedeutung und Wichtigkeit dieses zivilen Hilfstrupps und die wertvolle Unterstützung die sie den Grenwachtruppen leisten.

Im der ganzen kubanischen Küste verteilt gibt es rund 308 “Mirando al Mar”- Gruppen. Jede dieser Gruppen besteht aus ca. 20-30 Mitgliedern.

Vielen Mitgliedern liegt auch der Schutz der Meeresflora und -Fauna am Herzen. Die Vertreter der verschiedenen Abteilungen tauschten ihre Erfahrungen aus und diskutierten über den ökologischen Schaden den internationale Firmen den Meeren anrichten. So werden, nicht nur an kubanischen Küsten, industrielle Abfälle, Altöl und andere giftige Abfälle angeschwemmt, die für die Zerstörung der Ökosysteme, der Mangroven und der Schalentierarten verantwortlich sind.

Die Organisation “Mirando al Mar” ist ein schönes Beispiel von zivilgesellschaftlichem Engagement im Kampf gegen Drogen und dem Schutz der Natur. Die hohe Mitgliederzahl zeigt, dass viele Kubaner nicht nur theoretisch oder abstrakt, sondern auch ganz praktisch die Werte der Revolution verteidigen und so ihren Beitrag für ein möglichst von illegalen Drogen befreites Kuba leisten.

(kubainfos)

 

Jorgito – Ein Beispiel positiver Veränderung durch die Revolution (Interview)

Seit dem 1. Januar 2016 ist die erweiterte Version des Films „Die Kraft der Schwachen“ über  Jorgito aus Camagüey erhältlich. Der Film zeichnet ein beeindruckendes und authentisches Portrait eines Jungen mit einer schweren körperlichen Behinderung und seinen Kampf für die Freilassung der in den USA inhaftierten Cuban Five. Anlässlich der Vorstellung der neuen Version des Films hatten wir die Gelegenheit mit dem Filmemacher Tobias Kriele über seinen Dokumentarstreifen, Kuba und seine zukünftigen Pläne zu sprechen. 

 

Kubainfos: Zu welchem Zweck und mit welchem Ziel wurde der Film “Die Kraft der Schwachen” gemacht?

Tobias Kriele: Ich hatte mehrere Motivationen de Arbeit zu „Die Kraft der Schwachen“ aufzunehmen. Zum einen wollte ich mit dem Film persönliche Erfahrungen, die ich während meines 9jährigen Aufenthaltes in Kuba gemacht habe, für die Freunde in Europa vermittelbarer machen. Darüber hinaus hat mich die Frage beschäftigt, was eine Revolution ist und was sie im alltäglichen Leben der Menschen bedeutet. Jorgito ist sicher ein sehr ausdruckstarkes Beispiel für Dinge, die sich durch die Revolution im Leben von Menschen verändert haben. Ausserdem wollte ich mit Hilfe des Films den Fall der „Cuban 5“ Menschen zugänglicher machen, die sich sonst nicht mit kubanischer Politik auseinandersetzen. Die Geschichte von Jorgito bietet hierbei einen besonderen Zugang.

Was für Reaktionen hat der Film ausgelöst und was erwartest du von den Personen die diesen Film schauen?

Der Film wurde bereits in mehreren Ländern gezeigt. Die Reaktionen waren in jedem Land verschieden. Da ich den Film in erster Linie nicht für ein kubanisches Publikum gemacht habe, hat mich zum Beispiel überrascht, dass der Film dort so starke Reaktionen ausgelöst hat. Er wurde dort sehr positiv aufgenommen und mehrere Male im TV gezeigt. Mir hat einmal ein Kubaner gesagt: „Der Film hält uns einen Spiegel vor“. Für mich als Ausländer war es natürlich eine grosse Genugtuung, dass der Film von den Kubanern als „kubanischer Film“ angenommen wurde.

In der Schweiz, Deutschland und Italien war das Publikum sehr heterogen zusammengesetzt. Viele Zuschauer haben sich das erste Mal mit Kuba beschäftigt. Meiner Erfahrung nach hat der Film es sehr gut geschafft, eine Brücke zu schlagen und einen Zugang zu schaffen, trotz aller systematischen Verleumdungen durch die Presse. In diesem Sinne ist er erfolgreich.

Eine weitere Gruppe von Zuschauern waren Eltern von Kindern mit Behinderungen. Hier waren die Reaktionen sehr heftig und zum Teil mit radikalen Einsichten verbunden. Der Bezug zu Kuba auf die Wirklichkeit von Europa wurde sehr direkt gezogen. Da gab es sehr bewegende Schlussfolgerungen der betroffenen Menschen. Mir als Nichtexperten hinsichtlich der Lebensbedingungen behinderter Menschen hat dies tiefe Einblicke darin gewährt, wie kompliziert, widersprüchlich und von Verachtung geprägt das Leben der Menschen mit Behinderungen in sogenannten hoch entwickelten Ländern sein kann.

Wir wollen den Film auch in den USA zeigen und haben diesbezüglich die Erwartung, dass es der Film schafft, den Diskurs über Kuba, so wie er momentan besteht aufzubrechen, einen neuen Zugang zu Kuba zu schaffen und   damit alte Bilder aufzubrechen. Wir vermuten, dass damit eine grosse Dynamik freigesetzt werden wird.

Wird es zukünftige Projekte mit Jorgito geben?

Der Film ist ja nun auch in der erweiterten Fassung fertig, aber es ist noch einiges offen was die Verbreitung des Films angeht.  Zuerst mal werden wir im Frühjahr 2016 mit Jorgito den Film in den USA vorstellen.

Als weitere Projekte sind geplant, dass wir weiterhin eine regelmässige Kolumne von Jorgito in verschiedenen Zeitschriften der deutschsprachigen Solidaritätsarbeit veröffentlichen und er somit regelmässig als Journalist präsent ist. Ein anderer Plan ist, dass wir kubanische Blogger unterstützen möchten. Wenn man Jorgito kennt, dann weiss man, dass Jorgito eine sprudelnde Quelle von Ideen und Projekten ist. Das wird damit zu tun habe, dass er fest davon überzeugt ist, dass man die Welt verändern kann.

Geniessen andere kubanische Menschen mit Behinderungen die gleiche medizinische und soziale Versorgung wie Jorgito?

Ein Beispiel, welches Jorgito gerne anfürh, ist der Fall einer jungen Studentin, die auf Grund ihrer schweren Behinderung mit Sauerstoff künstlich behandelt werden musste und dadurch nicht mehr die Universität besuchen konnte. Ihre Professoren beschlossen, abends die morgendlichen Vorlesungen bei ihr zu Hause zu wiederholen, damit Sie ihre Ausbildung abschliessen konnte.

Es wäre jedoch unangebracht zu sagen, dass jeder Mensch mit Behinderung in Kuba glücklich ist. Die kubanische Revolution bietet etwas an, aber ob dieses Angebot auch immer genutzt wird, variiert von Einzelfall zu Einzelfall.

Ein weiteres Beispiel:

Jorgito traf am Rande unserer Dreharbeiten in einer Sekundarschule ein behindertes Mädchen, welches von ihrer Lehrerin gefüttert wurde. Er hat ihr darauf hin einige Fragen gestellt, doch ehe das Mädchen eine Antwort geben konnte, hatte schon die Lehrerin für sie geantwortet. Jorgito ging daraufhin schnurstracks zur Schuldirektorin stellte Fragen nach der Pathologie des Mädchens und der ihm gewährten Unterstützung. Als die Rektorin auf die Fragen nicht überzeugend antworten konnte, erklärte Jorgito ihr: „Ich komme in vier Wochen wieder und stelle die gleichen Fragen nochmals und dann möchte ich andere Antworten hören“

Diese Anekdote zeigt auch, dass Jorgito ein sehr überzeugter Revolutionär ist, der Kuba verteidigt – Er ist jedoch zugleich sehr kritisch und fast unerbittlich mit Dingen, die in Kuba falsch gemacht werden, oder mit Möglichkeiten, die nicht genutzt werden.

Ich hole so weit aus, um verständlich zu machen, dass nicht jeder Mensch mit Behinderung in Kuba automatisch zu einem Jorgito wird. Dank der Revolution sind die Möglichkeiten zur optimalen Betreuung von Menschen mit Behinderung in Kuba zwar vorhanden, doch um die Ausnutzung dieser Möglichkeiten muss man jeden Tag neu kämpfen.

Warum und für welche soziale Gruppe sollte Jorgito ein Vorbild sein? 

Jorgito kann für viele verschiedene Menschen ein Vorbild sein, nicht nur für kubanische Jugendliche mit Behinderungen. Gerardo Hernandez von den Cuban Five hat treffend gesagt, dass Jorgito – so wie die Kubaner an sich – ein Symbol dafür ist, dass man aus einer schwierigen Ausgangssituation, die geprägt ist von Widrigkeiten, das Handeln in die Hand nehmen kann. Dafür, dasss man nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch die Verhältnisse, in denen man lebt, gestalten kann. Ohne dabei zum Träumer zu werden oder die Welt nur umzudeuten, erklärt uns Jorgito, dass man tatsächlich die Dinge verändern kann.

Jorgito hat mit seinem Beitrag geholfen, Gerardo Hernandez aus dem Gefängnis zu holen und er glaubt daran, dass uns Menschen, vorausgesetzt, dass wir gemeinsam Handeln und in Einheit für ein Ziel einstehen, alles möglich ist. Dieser kubanische Kampfgeist, hat es verdient in der ganzen Welt wahrgenommen zu werden. Es ist auch eine Inspiration für uns, die wir in den kapitalistischen Zentren leben und oft das Gefühl haben, dass wir nur kommentieren können, nichts verändern. Doch dass die Welt wirklich zu verändern ist, zeigt uns Jorgito in dem Film.

Hatte Jorgito schon immer mit dieser Leidenschaft, mit der er die Revolution verteidigt und für gerechte Sachen einsteht?

Jorgito selber sagt, dass eine seiner ersten Empfindungen das Gefühl der Dankbarkeit für die Zuwendung war, die ihm die kubanische Revolution hat zukommen lassen und die ihm ermöglicht hat, sein eigenes Leben zu leben. Diese Dankbarkeit ist für Jorgito nicht nur moralisch, er hat vielmehr schon früh das Bedürfnis gespürt, etwas von Erhaltenen zurück zu geben. Schon in der Vorschule hat Jorgito begonnen, mit anderen Kindern zu diskutieren, seine Sicht der Dinge zu berichten und über das Gute zu sprechen, das ihm widerfahren ist. Schon als ganz kleines Kind wurde er in dieser Haltung geprägt und hat die Kinder dazu aufgefordert, diese Solidarität ihrerseits weiter zu geben.

Kann man auf Grund der Geschichte sagen, dass in der Frage der Gesundheit ein vor und nach der Revolution gegeben hat? Oder gab es vor der Revolution eine ähnlich gute medizinische und soziale Betreuung für Menschen mit Behinderungen? 

Es ist bekannt, dass es vor der Revolution in Kuba keine nennenswerten Einrichtungen im Bereich der Sonderpädagogik gegeben hat. Die wenigen Einrichtungen, die es gab, existierten alle in Havanna und für die Behandlung behinderter Kinder der damaligen wohlhabenden Oberschicht. Für die arme Bevölkerung gab es in diesem Bereich jedoch keine speziellen Therapien oder medizinische Versorgungen.

Eine Reportage des kubanischen Fernsehens über kubanische Ärzte, die im Rahmen der internationalen Hilfseinsätze in Nicaragua abgelegene Dörfer besuchen und dort die Menschen behandeln, hat mich sehr berührt. Eine Familie musste dort mangels Alternativen ihren behinderten Sohn am Morgen mit einem Strick an einen Baum anbinden, damit Sie auf dem Land arbeiten gehen konnten. Dies ist ein Hinweis darauf, wie die Situation vor der kubanischen Revolution ausgesehen hat.

Eine kubanische Lehrerin hat mir erzählt, dass Sie nach der Revolution in ein abgelegenes kubanisches Dorf geschickt wurde. Dort musste Sie junge Mütter über grundlegende Dinge der Hygiene aufklären. Zum Beispiel gab es Babys, die von Ratten angefressen wurden, weil ihre Mütter sie aus Unwissenheit auf dem Boden liegen gelassen hatten.

Man kann mit Gewissheit sagen, dass sich durch die Revolution die Situation sich radikal verändert hat. Man muss dazu nur die Berichte der UNESCO lesen, in denen immer wieder herausgestellt wird, dass die kubanische Form der Sonderpädagogik in Lateinamerika vollkommen konkurrenzlos ist und bei weitem alles übertrifft, was sonst in diesem Erdteil an Unterstützung für Menschen mit Behinderungen existiert.

Infos zum Film:

Trailer

www.kraftderschwachen.de

neue Version des Films für 15 CHF aus der Schweiz bestellen: national@cuba-si.ch

und aus Deutschland für 10 Euro: Mail an oder auf www.fgbrdkuba.de/shop/

(Kubainfos)

Raul Castro live in Paris (Livestreams und Videos) UPDATE

President Raúl Castro Ruz befindet sich momentan auf Staatsbesuch in Frankreich. Der Besuch wird bereits jetzt als historisch bezeichnet. Die berühmte Avenue des Champs-Élysées wurde zu diesem Anlass mit kubanischen Flaggen geschmückt. Es ist der erste kubanische Besuch dieser Art in Frankreich und generell in einem Land der EU.

Ab Montag, 1. Februar 2016 um 10 Uhr könnt ihr auf Kuba Infos den Besuch Raul Castros in Frankreich live mit verfolgen:

(man muss das Video zuerst ca. 4 min vorspulen, da die Übertragung Verspätung hatte und zuerst nur ein “Piepston” ertönt!)

UPDATE: Sobald die Liveübertragungen beendet sind, werden die Streams automatisch zu Videos.

 Kubas Raul Castro trifft François Hollande:

Kubas Raul Castro trifft sich mit Paris Bürgermeisterin Anne Hidalgo und dem französischen Minister für Bildung:

Kubas Raul Castro trifft sich mit dem französischen Premierminister Manuel Valls:

 

 

(kubainfos)

Stadtentwicklung in Kuba – Aufwertung ohne Verdrängung

Wie Aufwertung im Kapitalismus funktioniert, wissen wir. Bei einer Reise nach Kuba fragten wir nach, wie diese im Sozialismus vonstatten geht.

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AnwohnerInnen beim Wiederaufbau des Quartiers

Im Jahr 2012 überzog der Hurrikan Sandy die kubanische Stadt Santiago de Cuba, in der rund eine halbe Million Menschen leben. 130’000 Häuser wurden beschädigt, rund ein Zehntel davon komplett zerstört. Doch der Wiederaufbau begann schnell, nach zwei Tagen trafen Arbeitsbrigaden aus verschiedenen Landesteilen in der Stadt ein, um mit anzupacken.

Drei Jahre später sieht man in der Stadt kaum mehr etwas, das an den Hurrikan erinnern würde. Im Gegenteil, Santiago de Cuba blüht richtiggehend auf. Es gibt eine neue Uferpromenade, die Bucht wurde aufgewertet und soll als Naherholungsgebiet dienen, aus Lagerhäusern wurden Restaurants und eine Bierbrauerei, neue Parks und Plätze sollen die Quartiere am Hafen zu einem Anziehungspunkt für Touristen und Einheimischen machen.

Stadtplanung von den BewohnerInnen

Klar, dass bei so überschwänglichen Worten auch die Frage aufkommt, was dieser Entwicklungsprozess denn für die dortigen BewohnerInnen bedeutet. Denn aufgrund der Erfahrungen mit Stadtaufwertung im Kapitalismus würden wir davon ausgehen, dass dieser Prozess nicht nur eine Aufwertung der Quartiere, sondern auch eine Verdrängung eines Grossteils der bisherigen Bevölkerung zur Folge hätte. Man stelle sich vor, die Stadtplaner, Baufirmen und Investoren der Schweiz erhielten die Möglichkeit, in Zürich das Niederdorf neu zu bauen, sich in Kleinbasel auszutoben oder im Berner Lorrainequartier zu wüten.

In Gesprächen mit Menschen aus Santiago de Cuba zeigte sich aber schnell, dass der Prozess hier ganz anders läuft als wir ihn sonst kennen. Es gab Workshops, Zusammenkünfte und Gemeindeversammlungen, in denen darüber diskutiert wurde, wie die Stadt denn aussehen soll. «Wir haben einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass das gebaut wird, was uns was bringt und wir auch wollen», sagte uns eine 49 jährige Erzieherin aus Las Tunas, die schon über 30 Jahren in diesem Quartier lebt und arbeitet, «dazu gab es hunderte Versammlungen, bis alle Projekte abgesegnet waren.» Dabei verliefen die Diskussionen nicht oberflächlich, wie man es von Infoanlässen bei Grossprojekten in der Schweiz kennt. Die Quartierbevölkerung brachte eigene Vorschläge ein, diskutierte die Ideen der Experten und verwarf auch einiges, das ihnen vorgesetzt wurde. Oder wie es ein 36 jähriger Motorradtaxifahrer formulierte: «Die Leute, die hier wohnen, entscheiden was mit dem Quartier passiert.»

Eine Knacknuss war beispielsweise das Abwägen zwischen der Entwicklung des Quartiers hin zu einem touristischen Zentrum oder dem Erhalt des Quartiers in seiner bisherigen Form. Während es wohl lukrativ gewesen wäre, entlang der Uferpromenade die alten Lagerhallen und Bauruinen abzureissen und sie mit neuen Hotels und Bars zu ersetzen, die Touristen anziehen würden, entschieden sich die EinwohnerInnen klar gegen derartige Ideen. Statt einer Touristenmeile wollte man ein durchmischtes Quartier, wo es auch Platz für Gäste aus dem Ausland hat, aber das vor allem eben denen entspricht, die dort leben. Neben der oben erwähnten neuen Bierbrauerei gibt es deshalb nun subventionierte Läden mit Früchten und Gemüsen. Ein Restaurant auf einer Fähre im Hafen richtet sich explizit an die Einheimischen und die zahlreichen öffentlichen Parks und Plätze sind hauptsächlich für die Quartierbewohner konzipiert.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung von unten aussehen kann, ist der Umgang mit den BewohnerInnen derjeniger Häuser, die saniert wurden. Während in der Aufwertung im Kapitalismus die Sanierung einer Liegenschaft üblicherweise zuerst die Kündigung der Mietverträge der bisherigen BewohnerInnen bedeutet und nach vollzogener Sanierung die selben Wohnungen zu weit teureren Preisen wieder auf den Markt kommen, lief das in Santiago de Cuba ganz anders ab. Wenn die Wohnung von jemand saniert wurde, erhielt diese Person für diese Zeit eine Wohnung in einer anderen Gegend. Nach Abschluss der Bauarbeiten konnte man dann zurück in die frisch sanierte Wohnung, selbstverständlich ohne irgendeinen Mietzuschlag. Félix Alfonso, ein kubanischer Historiker der sich vor allem mit der Geschichte von Havanna befasst, sagte dazu: «Was unsere Renovierungen einzigartig macht, ist der Fakt, dass es kein Beispiel von Gentrifizierung ist, wo die Reichen Gebäude kaufen und renovieren, während die Armen wegziehen müssen. Unsere historischen Zentren bleiben ein Ort, wo gewöhnliche Menschen leben und arbeiten.»

Aufwertung im Sozialismus statt Gentrifizierung

Dass hier mit den Menschen geplant wird und nicht über ihre Köpfe hinweg Lofts und Hochhäuser gebaut werden, hat selbstverständlich auch einen Einfluss auf die die Art und Weise, wie die EinwohnerInnen von Santiago de Cuba diesen Stadtentwicklungsprozess aufnehmen. Sinnbildlich dafür ist die Tatsache, dass es die Leute aus dem Quartier nicht bloss beim mitdiskutieren beliessen. Auch auf den Baustellen waren immer wieder Menschen anzutreffen, die freiwillig am Aufbau ihres neuen Quartiers teilnahmen. Ein 50-jähriger Anwohner sagte uns: «Die Jungen haben freiwillig auf der Baustelle gearbeitet, weil es für sie ihr Projekt war. Sie werden das neu Gebaute am meisten benützen.» Organisiert wurde dies auch von den Gewerkschaften und den Politikern aus dem Stadtviertelsrat, aber gerade die Organisationen der Jugend übernahmen viel Verantwortung. Schüler und Studenten der nahegelegenen Sekundarschule und Wirtschaftshochschule seien gewissermassen Stammgäste auf den Baustellen gewesen. Am Beispiel Kubas zeigt sich, dass Aufwertung eben nicht Vertreibung heissen muss. Die Verdrängung, die uns hier als logische und unumkehrbare Entwicklung verkauft wird, ist nur im Kapitalismus unvermeidbar.

(Kubainfos)

Das Jahr 2015 war ein gutes Jahr für den Tourismus in Santiago de Cuba

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das Jahr 2015 für den Tourismus in Santiago de Cuba ein sehr gutes Jahr war. Das Wachstum bei den Ankünften von Touristen beträgt 20%. Damit kann Santiago mit 11 Millionen Pesos mehr rechnen, als für das Jahr 2015 eingeplant wurde.

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wird bald eröffnet: “Hotel Imperial” im Zentrum von Santiago de Cuba (mehr Fotos auf Facebook: Miguel Noa Menéndez)

Das 500 Jahre Jubiläum der Stadt Santiago wurde von Hotelneueröffnungen, Renovationen und vielen Erweiterungen der touristischen Dienstleistungen geprägt. (einige dieser Neuigkeiten sind hier beschrieben: “Santiago de Cuba mit bedeutenden Neuerungen zum 500 Jahre Jubiläum”

Vor allem die Winterhochsaison startete mit sehr guten Zahlen. Dazu beigetragen haben neue Direktflüge von Kanada durch Sunwing Airlines und die erstmalige Ankunft von einer grossen Zahl Venezolanischen Touristen. Ausserdem haben dank neu eröffneten Kreuzfahrtterminals mehr Kreuzfahrtschiffe die Karibikstadt besucht.

Für die Bevölkerung gehörte der neu gebauten Malecón und der neu eröffneten “Ocio Club” zu den belibtesten Orten um die Freizeit zu verbringen. Die Eröffnung des “Grand Hotel” und des monumentalen Hotel “Imperial” ist auf Anfang dieses Jahres geplant.

Auch das Aus- und Weiterbildungsangebot im Tourismusbereich wurde verbessert. Zum 20 Jahre Jubiläum der Tourismusgewerkschaft gab es verschiedene Feiern und ein erweitertes Angebot für Angestellte im Tourismus in Form von Sprachkursen, Schulungen und Workshops.

Für die Zukunft möchte man ausserdem die Gastronomie ausbauen und in diesem Bereich vielfältiger werden. Auch in Sachen Kulturunterhaltung wird das jetzt schon sehr breite Angebot noch vergrössert werden.

Das alles sind sehr gute Neuigkeiten und wir sind überzeugt das Santiago de Cuba auch im Jahr 2016 mit seiner authentischen Gastfreundschaft, seiner lebendigen Kultur und natürlich mit viel Musik und Lebensfreude Tausende Touristen begeistern wird.

(Kubainfos)

PS: Einen aktuellen Reisebericht zu Santiago de Cuba findet ihr hier: